Eigentlich wollte ich schlafen. Nur noch schlafen. Und doch ist es wieder Mal eine Nacht, wie schon all zu oft, wenn ich die Zeit damit verbringe hier zu schreiben als zu schlafen. Meine Gedanken finden einfach keine Ruhe. Seit wie vielen Tagen schon, will ich einfach nur noch schlafen?
Sie schrieb, dass sie es nicht nötig habe, sich mit mir abzugeben. Und für mich ist es so als bräche erneut meine komplette Welt zusammen. Wieder ein Mal.
Es gibt Momente, immer kurz nach den Träumen, da wünschte ich mir man würde mich schlicht entsorgen. So wertlos fühle ich mich manchmal. Aber das hängt mit vielem Zusammen. Insbesondere meiner Vergangenheit, und all den Dingen die mich prägten.
Ich sah mein Leben lebenswert an, wo ich mir selbst weiß machte, dass ich vielleicht irgendwann in ferner Zukunft eine Chance bei ihr hätte – würde ich nur lang genug an mir arbeiten. Sie hat wohl sehr viel an mir auszusetzen. Vielleicht haben das viele. Ich weiß es nicht mal, da die Rückmeldungen sich widersprechen.
Aber ich kenne meine Schwächen und verstehe auch deren Ursprünge. So ist mir zum Beispiel klar, woher mein Eifer kommt an mir selbst zu arbeiten. Aus der selben Quelle wie meine Eifersucht. Ich bin klein gewachsen und wohl nicht wirklich attraktiv, nimmt man die Vorbilder aus den Medien. Ich weiß, dass es viele Menschen gibt die charakteristisch und physisch besser sind als ich. Es erscheint fast schon natürlich, dass ich stetig Angst habe sie endgültig zu verlieren. Unabhängig ob an jemand anderen oder überhaupt. Kenne ich doch auch die Lösungen für diese Probleme – fehlen mir aber die Mittel. Wie denn auch soll ich alleine es bewältigen, wenn es ein Problem ist, was aus Zweisamkeit entsteht? Irrelevant – irreführend? “Liebe”, nennen das viele.
Was ich bot – Treue, Hingabe, und alles andere – da gibt es viele meiner Art. Ich habe bis heute nicht herausgefunden, was ich ihr anbieten könnte, was wirklich nur ich anbieten kann – außer meiner Zuneigung ihr gegenüber.
Ich hasse die Situation in der ich geraten bin. Schmerzerfüllt und kein Ende in Sicht. Ich wache auf, ohne Ruhe gefunden zu haben im Schlaf. Die Träume die ich habe fingen an mich zu verfolgen. “Lebe deine Träume”, heißt es. Ich sehe keine Möglichkeit mehr dafür, wenn alle meine Träume um sie drehen.
Ich stürze mich in Arbeit und messe meinen Erfolg nicht länger in sozialer Gesundheit, sondern in Geld. Warum? So wollte ich nie werden. Ich stelle mir vor, dass ich selbst mit einem einfachen “Putzjob” glücklich wäre, hätte ich die Liebe meines Lebens an meiner Seite.
Im Moment sehe ich mich aber, wie ich versuche das Loch, dass in mir gerissen ist, mit sturer Arbeit zu kompensieren. Das Geld was ich verdiene kommt zum Teil in einen Topf. Der Teil, den ich genutzt hätte um mit einer Freundin auszugehen. Warum das alte Schemata? Wegen ihr ging ich auf einen Weg, von der ich mir Erfolg wünsche. Genug Erfolg für uns beide. Genug Erfolg um sie glücklich zu machen, mit dem was ich dadurch verdiene.
Sie glücklich machen. Warum? Tief im inneren dieser Hunger nach Zuneigung. Diese Angst vor Einsamkeit. Mein ganzes Streben, mein Handeln – alles dafür dass sie mich bisschen mehr mag. Ich lernte von ihr, was es heißt wahr zu lieben. Erleben tue ich das mit einer Zuneigung die nicht abbrechen will. Ist es denn nicht verrückt, wie mein Bild einer Traumfrau so sehr von ihr geprägt ist?
Die Träume sind nun nur noch schwer zu deuten. Manchmal wache ich auf ohne Erinnerung an einen Traum. Nur ein Augenblick – ein Gedanke daran wie es wäre, würde ich aufwachen und sie neben mir sein erweist mir Einblick in meine inneren Wünsche. Ja nicht Mal ein Zusammen sein von ewiger Dauer. Aber es fehlt der Abschluss des Wunsches. Ein Wunsch der vielleicht niemals in Erfüllung gehen kann. Naiver, fast schon kindlicher Wunsch.
Ich renne blind rein in die Arbeit. Versuche den nicht mehr funktionierenden Gedanken auszublenden, der sagt: “du tust das für sie”. Würde ich die Augen aufmachen, fürchte ich meinen Zusammenbruch. Geld und Erfolg im Beruf allein machen nicht glücklich, wenn ich es nicht mit jemanden teilen kann. So sehr ich auch Selbstbewusstsein und Stolz aufgebaut habe, so zerbrechlich bin ich im innersten.
Irgendwo ist da in mir, der tiefe Kern der sagt: “ich will alles trotzen”. Doch er sagt auch: “weil es sie gibt”. Ist das dann nicht verständlich, dass in mir ein Loch gerissen wurde? Es ist, als ob ich nach langer Suche das gefunden hätte, wonach ich mein Leben lang gesucht hätte. Es aber dann verloren habe, ohne wirklich zu verstehen warum. Die einen sagen “weggenommen”. Die anderen sagen “fallen gelassen”.
Jeden morgen wache ich auf, erblicke ihr Bild und schließe dann erneut die Augen, um mich vor dem Fallen zu bewahren. Ohne sie wäre ich nicht so weit, dass ich leben könnte. Ohne sie, fühle ich mich fehl in dieser Welt. Es musst aber Alternativen für mich geben – etwas was mich von Abhängigkeit befreit. Ich sehe es nur noch nicht.
Meine Maxime stand in Bezug zu ihr. Jetzt verlangt es eine neue Definition.
Traurig stimmt mich, wie ich mich fühle in Bezug auf die drei Worte ihr gegenüber – mit denen ich mich am Anfang so schwer tat, und heute wertlos erscheinen.
Ich bin nur einer – ein jemand. Für mich war sie mehr als eine gute Freundin. Für sie war ich offiziell ein guter Freund. Wo ich mich sehe und was ich ihr bat: ich würde noch zu ihr stehen wenn niemand sonst ihr bei stünde. Ich würde an sie glauben. Weil sie es mir wert war.