Eigentlich wollten wir uns heute zum essen verabreden. Ich fühlte mich sehr geehrt, dass sie mit mir zum essen aus mochte. Wegen den Umständen haben wir es nun doch in die Zukunft verlegt - “nach HH”. Sie mag sich heute für ihren nächsten Unitag, morgen, vorbereiten. Ich kann es ihr nachsehen. Schließlich hatte sie dieses Wochenende schon wirklich viel gemacht, was ihr Spaß bereitete, und sie vielleicht erschöpfte. Ich kann es nicht verleugnen, dass ich etwas traurig bin und mich doch schon sehr freute. Aber da gibt es noch so viel mehr, hinter meinen Gefühlen. Und schließlich: es ist ja in die Zukunft verlegt worden, und nicht ganz abgesagt.
Es ist schon komisch, dass mich das nicht wirklich überraschte. Ich hatte mich darauf vorbereitet - oder anders - meine Erwartungen sehr tief herunter geschraubt. Sie hat sich bei mir zumindest über SMS gemeldet. Das allein ist schon Grund zur Freude. Sie hätte sich ja auch gar nicht mehr melden können.
Ich freute mich darauf mit ihr essen zu gehen, weil ich dann etwas gemeinsame Zeit mit ihr hätte. Zeit die ich gerne genutzt hätte, um einander wieder enge Freundschaft festigen zu können. Ich weiß nicht wie sie das sieht. Ich weiß es einfach nicht, und meine Fragen über all die Zeit wurden abgelenkt. Zumindest ist das meine Perspektive. Vielleicht war ich auch einfach die ganze Zeit über blind.
Andererseits, bin ich nicht fehlerfrei, und neige auch manches falsch zu interpretieren. Ich bin auch nur ein Mensch. Ich arbeite an mir. Gestern war so eine lustige seltsame Situation, die ich gerne im Nachhinein verändern wollte. Wir kamen spät von Marcel am Hauptbahnhof an. Sie hatte keine Fahrkarte und fuhr soweit kostenlos mit, wie ich sie begleitete. Ich bestand darauf, dass sie meine zusätzliche Ersatzkarte, welche ich für Ausnahmen wie jene immer dabei habe, nehmen würde. Ich mochte nicht, dass sie die Strecke vom Hauptbahnhof nach Hause um jene späte Stunde zu Fuß ging. Sie ist eine schöne Frau, und der Gedanke, dass sie auf dem Heimweg überfallen werden könnte besorgte mich sehr.
Jedenfalls sträubte sie sich sehr dagegen, dass ich später auch wieder die Karte einsteckte. Eine kleine Anspannung für sie und für mich, die unnötig, ja fast schon witzig erschien. Ich scherzte noch, dass man über sowas diskutieren könnte. Sie wollte die Karte ja von Anfang nicht, konterte sie.
Mein Fehler.
Ich sah es nicht tragisch, und akzeptierte es. Sie hat ihren eigenen Kopf, und aufzwingen kann ich ihr nichts, wenn sie die Karte auch nicht annehmen mochte, wenn sie die nicht mal benutzen brauchte. In Situationen wie jene erinnert sie mich an eine sehr süße Katze. Oder eher umgekehrt - eine Katze erinnert mich an sie. Ich weiß nicht, wie sie die Dinge sah. Vielleicht viel einfacher, und ich mache mir zuviel Kopf um so eine Sache. Ich gewöhne es mir bereits ab, jetzt wo ich nach all der Zeit gelernt habe, dass man bei falschen Gedanken nur noch mehr falsch machen kann.
Wo ich mich fragte warum sie es ablehnte (wo sie mir keine eindeutige Antwort gab), dachte ich an das Gespräch mit ihrer Mutter. Das genau dieses Verhalten von mir destruktiv wirke - meine Bereitschaft ihr alle Lasten zu nehmen, und ich dafür kein Zögern kannte. Dass ich sie dadurch belasten würde, weil sie meint meine Gesten nicht zurückzahlen zu können.
Ich steckte die Karte wieder ein, weil ich das noch weniger erzeugen wollte. Schließlich mache ich mir nur Gedanken um sie, und empfinde ihre Sicherheit als oberste Priorität. Ja, dieses Verhalten. Das Verhalten, woran ich arbeite, um ich sie damit nicht länger zu belasten.
Ich kenne selber die Last, die wie Gefahr erklingt - das Gefühl von Freundlichkeiten erdrückt zu werden, weil es kulturelle Sitte ist sich zu revanchieren. Ich selber schone mich vor solch einer Last, indem ich mehr leiste, als es nötig wäre für eine Rückzahlung jeglicher Art. Nachtragend im Guten, wie im Bösen.
Als wir uns trennten (sie nahm erfreulicherweise später doch noch meine Karte an) erfasste mich meine Neugier an sie. Ich wusste dennoch nicht viel zu sagen, so dass meine kurze ja/nein-Frage zu ihrem neuen Cappy weniger Gespräch anregte als ihre Frage nach dem “warum und wieso” um meine Neugier. Ich hatte mir vorgenommen für heute einige Gesprächsthemen mitzunehmen. Zumindest einige Stichworte, worüber ich mich denn gerne mit ihr unterhalten mochte. So würde ich gerne erfahren, was denn neues von ihrer Uni gäbe, was sie selbst begeisterte, und allgemein wie sie sich denn so fühlt. Dass ich mich für sie generell interessiere ist schon fast wieder Nebensache. So soll sie auch Chance haben mich alles zu erfragen, sollten noch Dinge auf dem Herzen sein.
Und was ich erzählen würde? Ich bin mir nicht mal sicher was sie von meinem Leben interessieren könnte. Es ist ein auf und ab - und seit meinen körperlichen Problemen beschränkt es sich auf das Mentale. So lese ich wieder mehr, während es sonst mehr Sport war. Ich gehe noch sehr gerne aus, auch wenn viele Freundinnen weniger Zeit haben als ich. Viele Freuden erlebte ich, die ich versäumte mit ihr zu teilen, weil ich nicht weiß, ob ich sie denn mit Geschichten über tolle Wohnungen oder meinen Zukunftsperspektiven zu langweilen drohe. Ehe ich etwas in meinem Blog schreibe, und sie es da liest, würde ich gerne einfach mit ihr über Alltag quatschen wie früher auch. Aber ihr fehlt die Zeit, und bald mir auch. Das Wenige was bleibt erscheint kostbar - und ich fürchte um meinen Eindruck, der immer schlechter wird durch meinen falschen Ruf.
Viele negative Eindrücke und Eigenschaften die Paul über mich geäußert hat - an die ich stark arbeitete und arbeite - schwinden. Waren manche temporär, andere mir unbekannt. Doch ich bemühe mich sehr und frage häufig und gerne nach Feedback. Aber der teilweise verschlechterte Ruf ist geblieben, und ich fühle mich falsch bewertet.
Immer wenn meine Angebetete etwas über mich sagt, nehme ich es mir sehr zu Herzen - so sehr, dass ich mich manchmal, amüsanter Weise, schwer tue Kommentare und Scherze auseinander zu halten. Aber vieles scheint geblieben, von dem ich überzeugt bin es bereits gemeistert zu haben - Dinge zu denen ich immer wieder andere um Rat frage, ob es denn nun vollbracht wäre - einfach weil es mir wichtig ist.
Meine Erinnerungen sagen mir, ich hätte meine Angebetete oft gefragt - vielleicht weniger deutlich als es sein sollte. Höchstwahrscheinlich, wie ich mich selbst einschätze. Doch kann es sein, dass ich sie nicht gefragt habe? Ich muss darauf achten, dass meine Erinnerungen nicht täuschen, und falsche Erinnerungen nicht ihren Platz einnehmen. So könnte ich Personen und Ereignisse verwechseln, oder diese in Erinnerung verschmelzen, so dass die nie geschehen sind, oder die Beteiligten komplett andere Ansichten hegen.
Vielleicht hätte ich heute beim essen mit ihr kurz angerissen - angedeutet, wie wichtig sie mir noch ist, und wie viel sie mir noch bedeutet. Und zwar so richtig persönlich, ohne dass sie das hier zu lesen braucht. Aber auch nur kurz. Schließlich habe ich schwer akzeptiert, wie wenig Zeit sie für mich übrig habe, und dass mir vielleicht noch zu viel fehlt, woran ich arbeite, um ihr Herz zu gewinnen.
Und bald wird auch mir die Zeit stark fehlen. Noch kann ich nicht einschätzen wie sehr - doch die Vorstellung, und die Tage davor, hinterlassen einen ordentlichen Eindruck. Wenn ich Tage für ich als “Arbeitstage” nehme, wo ich nach Hamburg fahre, mich bei den Ämtern etc. um die nötigen Dinge zum Umzug kümmere, konzentriere ich mich tatsächlich die meiste Zeit mit meinem Lernen. Lesen im Bus zum Hauptbahnhof. Lesen und Schreiben im Zug. Lesen in der U-Bahn. Nachbearbeitung und noch mehr Lesen auf der Heimfahrt. Lediglich die Zeit beim Ein- und Ausstieg bleibt mir, um in Gedanken meine große Liebe zu missen, und darauf zu vertrauen, dass ich das Richtige mache.
Und wenn ich Abends wiederkomme lasse ich mich ins Bett fallen, um zu regenerieren um den nächsten Arbeitstag in Angriff nehmen zu können. Wo bliebe da Zeit für all meine Freunde? Nicht genug, um jeden mit so viel Zuneigung zu behandeln, dass sich niemand vernachlässigt fühlt, dem das wichtig wäre. Da denke ich: Gott sei Dank gibt es Handys mit Flatrates…
Als ich gestern Abend vor der Wohnung halt machte, um inne zu halten und nachzudenken, erblickte ich seit langem erneut eine Sternschnuppe. Eine richtige Sternschnuppe - kein Flugzeug oder Satellit. So eine wie ich damals in der Lünebürger Heide Abends erblickte. Auch diesmal wünschte ich mir etwas. Aber anders als damals, waren gestern meine Gefühle in Wallung, und ruhten nicht. Es war - ein anderes Gefühl. Ich wusste diesmal auch genau was ich wollte. Aber es ist als ob die Sternschnuppe nicht in die Lage wäre meinen Wunsch zu erfüllen - ja, diesmal war der Wunsch zu weit gegangen. Denn manche Dinge kann niemand einem abnehmen. Schon gar nicht wenn es um Liebesgefühle geht.
Ich hatte sogar in der Nacht noch meinen IM eingeschaltet - in der Hoffnung mit jemanden darüber reden zu können. Doch wieder blieb mir nur der Blog. Und vielleicht ist das auch besser so.
Darüber geredet, dass ich mir vielleicht noch immer zu viele Gedanken um meine Angebetete mache, und das es vielleicht mehr als ein wenig helfen würde, würde ich noch mehr zurück schalten. Und auch was mich und meinem Platz auf dieser Welt betrifft.
Vielleicht hätte ich ihr auch beim Essen konkreter über meine Sorgen und Perspektiven erzählt. Oftmals fehlt mir einfach ein Gesprächsthema. Aber da wäre die eine Sache, wo ich gerne ihren Rat gehabt hätte. Ich bin über 21 Jahre alt, und warte auf mein Ausbildungsbeginn. Ich weiß noch nicht wie gut oder wie schlecht ich das meistern werde. Auch ich hege große Erwartungen in mich selber, und verfolge meine Träume. Sie macht das auch, seit sie auf der Uni ist. Sie ist wesentlich weiter und intelligenter als ich, und wüsste da bestimmt mehr als ich.
Mich besorgt der Gedanke, dass ich den anderen hinterher hänge mit meinem Alter, und meinen mangelnden Erfahrungen. Andere waren beim Bund. Wieder andere studieren schon oder sind im Ausland. Letzte beiden konnte ich mir nicht leisten, während der Bund mir empfahl nicht mitzumachen. Weder wäre ich körperlich noch geistig dazu geeignet - Soziales läge mir einfach besser.
Auf der einen Sache mache ich mir Gedanken ob meine Erwartungen an mich noch realistisch sind. Auf der anderen Seite finden sich auch Gegenbeweise, dass meine Befürchtungen zu übertrieben sind.
Lob von Ausbildern, die davon überzeugt sind, dass ich mehr kann, als das was meine Eltern in mich sehen. Menschen die mir im Vertrauen eine Chance geben etwas großes zu leisten, unabhängig davon wie miserabel mein Schulzeugnis war. Damals hatte ich nicht auf meine Stärken gebaut, weil ich es nicht besser wusste. Heute baue ich meine Stärken aus.
Vielleicht hätte man auch wieder alte und neue Gemeinsamkeiten entdeckt, worauf man aufeinander bauen könnte. Ich würde gerne wieder für sie da sein, ohne einander abhängig zu werden. Sie bei der Uni unterstützen wie ich es damals versprochen hatte. Und ich denke noch immer daran, dass ich, wenn sie wollte, nach München gezogen, ziehen würde um ihr nahe zu sein.
Ich würde ihr gerne wieder näher kommen - als Freund. Für sie da sein, wie ich es versprach. Sie wissen zu lassen, dass ich immer zu ihr halten mag, egal was auch immer kommen mag.
Da fällt mir ein, dass ich ihr noch gar nicht ihr Geburtstagsgeschenk geben konnte! Ursprünglich wollte ich es ihr gestern überreichen - zwar hat sie erst im August Geburtstag, doch wollte ich diesmal sicher gehen, dass ihr Geschenk auf gar keinen Fall zu spät kommt. Nicht schon wieder… Mir tut es nach wie vor Leid, und ich gebe mein Bestes, um sie an ihrem Tag eine angemessene Freude zu machen. Da das Essen heute geplant war, und wir gestern bei Marcel waren, hielt ich es für unangebracht ihr es schon gestern zu geben. Es musst ja nicht jeder in unserem Freundes- und Bekanntenkreis erfahren, wie sehr ich noch zu ihr stehe. Eine Einstellung die ich aus ihrem Verhalten damals abgeleitet habe, und so mir meine Grenzen gesetzt habe. Dass es für sie einfacher ist. Und für mich - ist es einfacher andere glauben zu lassen, dass eine alte Liebe verblasst, als Außenstehende zu überzeugen, dass meine Liebe noch fort besteht.
Hätte, konnte, passierte - was nun kommt ist, dass ich gerne würde. Aber meine Zeit verstreicht dahin - und mit der Zeit alles. Fast alles. Meine Liebesgefühle haben sich mit der Zeit wenig verändert - dafür entwickelt. Manche halten das für unglaublich, dass so etwas so lang anhalten kann. Nun ja - ich glaube daran. Auch wenn sie nicht mehr die gleiche laute Form wie früher haben - sie sind noch da - lediglich aufgehoben von der Zeit.
Aufgehoben für sie. Wisst ihr, ich habe sie noch immer sehr lieb.
Lingxin, ich bin immer für dich da.